Gelöste Stimme

Perspektiven

Perspektiven

Herzlich willkommen auf meinem Blog, wie schön, dass du da bist!

Hast du eine Verschreckte Stimme?

Erst einmal: was ist das?

Eine verschreckte Stimme ist eine Stimme, die sich nicht mehr hervor traut, weil die Person, zu der diese Stimme gehört, eine bedeutsame und womöglich kränkende und beschämende Erfahrung damit gemacht hat.

Die gesagt bekommen hat, dass sie schlecht klingt, Melodien nicht halten kann, schief singt, Kopfschmerzen bereitet, lieber still sein sollte, nicht mitsingen darf, wenn andere singen. Traurige Erfahrungen, die die Person von ihrer eigenen Stimme entfernt hat, die das Singen als etwas beschämendes und bloß stellendes erlebt hat.

Und deren Stimme seitdem eine verschreckte Position eingenommen hat.

Ich habe selbst Erfahrungen damit gemacht, habe selber eine „Verschreckung“ erfahren und habe lange und mittlerweile erfolgreich daran gearbeitet, meine Stimme zu lösen. Ein Rest bleibt immer, aber das liegt daran, dass die Stimme etwas sehr sehr persönliches ist und die Erfahrung, darüber beschämt zu werden sehr nachhaltig und etwas, das man nicht so leicht vergisst.

Aber ganz abgesehen von meinen eigenen Erfahrungen mit Singängsten, Sing-Unsicherheiten, dem Sich-der-Stimme-fremd-fühlen erlebe ich im Laufe meiner Arbeit sehr viele Menschen mit diesen Erfahrungen und den daraus resultierenden Ängsten. Menschen, die sehr schlechte und kränkende Erfahrungen mit dem Singen gemacht haben, oft schon in einem ganz jungen Alter. Die, wie oben beschrieben beschämt, ausgelacht und abgesondert wurden. 

Oft wird nach solchen Erlebnissen niemals wieder gesungen. Nicht ums verrecken! Singen wird abgespeichert als etwas, das man einfach nicht kann. Basta. Nicht unter der Dusche, nicht im Auto, nicht zum Geburtstag, nicht vor den Kindern. 

So empfinden es die meisten, die solche Erfahrungen gemacht haben.

Es kursieren aber auch so viele Geschichten über das Singen und bei vielen sind diese zu festen Glaubenssätzen geworden:

Wenn man nicht schon in früher Jugend damit angefangen hat, dann wird man es auch nicht mehr lernen.

Und sowieso: wer es nicht von selbst kann, wird es niemals gut können, da muss man schon von Haus aus ein virtuoses Genie sein.

Und wer es nicht schön kann, der sollte lieber gar nicht. Wir wollen ja auch niemanden zum Weglaufen bringen. Oder zu schlimmerem.

So denken viele über das Singen.

Aber Stimmt das denn alles überhaupt?

Schauen wir doch mal etwas genauer hin: Was ist Singen eigentlich?

Natürlich: wir genießen es, wenn jemand besonders schön singt, manche Stimmen verschaffen uns schöne Gänsehäute und berühren uns auf eine ganz spezielle Art.

Wow, wie manche Menschen mit ihren Stimmen umgehen können, sich durch die Register schwingen, vollkommen mühelos und unglaublich virtuos!

Und wie wunderbar sich ein Chor anhören kann, so viele einzelne Stimmen, die wie eine einzige besondere Menschheits-Stimme klingen!

Die wunderbare Billie Holiday

All das hat natürlich seine Berechtigung! Es darf und soll Meister:innen des Faches Gesang geben, Menschen mit besonderem Talent, die uns Genuss bereiten, die wir bewundern dürfen. Wir wollen begeistert, verzaubert, mitgerissen werden von Menschen, die mit ihren Stimmen ausdrücken, was wir selbst vielleicht nicht können, die besonders gut darin sind, besonders klingen, besonders begabt sind. 

Wir haben einen Anspruch an und vielleicht auf Meisterschaft und das ist auch völlig gut und okay! Das ist eine wichtige Seite unserer Kultur, dadurch werden alte Werke weiter gegeben, sie gehen nicht verloren, wenn sie immer wieder von den Profis reproduziert werden. Profis, die wissen, was sie tun und worauf es ankommt. Und durch diese Profis werden auch neue Werke geschaffen, unsere Kultur erweitert, erneuert, fortgeführt. Ein sehr wichtiger Teil unserer Kultur!

Aber!

Dies ist eben nur ein Teil unserer Kultur.

Kann Singen nicht noch viel mehr?

Was ist das denn, wenn man mit anderen zusammen singt, sich stimmlich zusammen findet, beieinander ist, eine Gemeinschaft bildet?

Was ist mit den Wiegen- und Schlafliedern, die Eltern ihren Kindern zur Beruhigung vorsingen? 

Warum gibt es Geburtstagslieder? Warum wird in der Kirche zusammen gesungen, oder insgesamt zu rituellen Gelegenheiten sehr vieler Religionen. Woher stammen Volkslieder? Arbeiterlieder? Fangesänge in Fußballstadien?

 

Gemeinsames Singen in einer Gruppe

Irgendwie ist da doch noch mehr dran!

Kann es sein, dass Singen eine höhere Funktion hat, einen größeren Zweck, als den, uns Genuss zu bereiten, wenn wir es konsumieren?

Was ist mit der verbindenden Komponente? Der beruhigenden, entspannenden? Was mit der entlastenden, ausdrückenden, ausgelassenen Komponente?

Sollten wir das wirklich dabei belassen, dass das etwas ist, das nur andere können? Uns weiter ausschließen und außen vor bleiben nach einer verschreckenden Erfahrung? Wie gesagt: sehr viele Menschen trauen sich nicht mehr hervor, nachdem sie eine solche Erfahrung gemacht haben und nun eine verschreckte Stimme haben. Und sehr viele haken es für immer ab, finden sich damit ab, dass sie halt nicht singen können und denken auch nie wieder darüber nach, ob sie es nicht vielleicht doch noch einmal versuchen könnten. Ist halt so, kann ich nicht.

Aber bei manchen regt sich dennoch eine kleine Sehnsucht danach.

Gelöste Stimme

Manche spüren, dass es da etwas gibt, das möglicherweise Freude bereiten könnte. Von dem sie eine vage Ahnung haben, dass es sie eventuell bereichern könnte. Die sich gerne trauen möchten wenigstens unter der Dusche zu singen. Oder im Auto oder an irgendeinem anderen sicheren Ort. Nein, natürlich nicht vor anderen! Nur, wenn sie alleine sind. Die aber vielleicht eigentlich doch ganz gerne bei Geburtstagsliedern mitsingen möchten. Teilhaben möchten. Sich über das Singen mit anderen verbinden möchten. 

Einige dieser Menschen kommen zu mir und ich freue mich immer sehr darüber, wenn ich dabei helfen kann, die Ängste zu überwinden, wenn jemand sich traut, mit mir zusammen zu singen und – du liebe Güte! – vielleicht sogar irgendwann ganz ohne mich! Ein Fest! 

Vielen genügt es aber auch, wenn es mit mir zusammen gelingt und wirklich alle entwickeln ein Gespür dafür, wie gut das Singen ihren tut, wie sehr es sie „runter bringt“, erdet, in ihren Körper bringt. Etwas gutes mit ihnen tut, ihnen etwas gutes tut.

Ich mache die Erfahrung, dass es sehr hilft, sich mit den Themen auseinander zu setzen, die sich rund um die Stimme und das Singen auftun: Erwartungen, Glaubenssätze, Druck. Es hilft, Wissen über die Stimme zu sammeln. Es kann sehr wirksam sein, sich über alles zu informieren, was beim Singen in unserenm Körper vonstatten geht, wofür Singen eigentlich gut ist, was es alles kann und tut, um einen anderen Zugang zur eigenen Stimme zu bekommen und die Ängste abzubauen, die damit verbunden sind.

Das ist der eine Grund, warum ich diesen Blog schreibe: dass Menschen, die ein Interesse daran haben, ihre eigenen Ängste zu überwinden und sich mit ihrer Stimme als Singstimme auszusöhnen und wieder anzufreunden einen Ort haben, wo sie Erklärungen, Hilfestellungen und Anregungen finden können.

Sehr gerne möchte ich auch diejenigen erreichen, die sich sehr sicher sind, dass sie das mit dem Singen nicht können und das gänzlich abgehakt haben. Denn das ist so schade und gar nicht notwendig! Wirklich nicht! 

Denn wie gesagt: es ist nur die eine Seite des Singens, andere damit zu erfreuen. Es gibt diese andere Seite und die steht wirklich allen zur Verfügung, die ein einigermaßen gesundes Stimm- und Atemsystem haben! Wir sind alle mit der gleichen Ausstattung versehen und daher liegt der Gedanke nahe, dass zu singen etwas ist, dass für uns alle da ist! Es gehört zu uns als Menschen dazu, es ist serienmäßige Grundausstattung.

Gewagte These? Vielleicht. Meine Erfahrung sagt mir, dass da mehr ist, als die meisten glauben.

Darum dieser Blog

Ein weiterer Grund für den Blog ist der, dass ich mich auch selbst mehr auseinander setzen möchte mit genau diesen Themen. Ich möchte meine Erfahrungen und meine Beobachtungen machen und teilen, meine eigenen Schwierigkeiten beleuchten, meine eigenen Ängste erkunden und ein hoffentlich immer klareres Bild zeichnen von dem, wie die Stimme funktioniert, welchen Bedingungen sie ausgesetzt ist, welche Gesellschaftlichen Erwartungen, Werte und Norman daran geknüpft sind. Und welche Freude es verspricht zu Singen!

 

Manchmal möchte ich hierbei eine Beobachtende Position einnehmen, manchmal eine beschreibende, manchmal möchte ich sehr persönlich werden und manchmal eine Distanz einnehmen. Manchmal werde ich es mit Humor nehmen und versuchen aufzuzeigen, wie absurd die eine oder andere Gegebenheit ist. Und ich versuche aus jeder Position heraus ein bisschen mehr zu erfahren, zu lernen und zu beschreiben.

Vielleicht hilft das der einen oder anderen Person. Vielleicht hilft es dir? Vielleicht hast du auch ein Bedürfnis, dich hier auszutauschen, vielleicht kannst du etwas beitragen. 

Ich freue mich, wenn du mit mir in Kontakt gehst, deine Erfahrungen teilst, oder vielleicht auch ein paar Fragen stellen möchtest. Nur zu!

Ich bin sehr neugierig auf alle Gedanken bezüglich des Singens, auf alle Wirklichkeiten und Tatsachen und gerne auch Ansichten.

Wie gesagt: wie schön, dass du hier bist!

Deine Nina

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