Gelöste Stimme

Etwas über mich und meine Stimme​

Etwas über mich und meine Stimme​

Es stimmte zunächst

Wie bei so vielen war auch bei mir erst einmal alles in bester Ordnung. Ich hatte Freude am Singen, einen ganz natürlichen Zugang zu meiner Stimme und hinterfragte nicht, ob ich meine Stimme auch zum Singen benutzen darf, denn es schien natürlich zu sein. 

Ich bin in einer musikalischen Familie aufgewachsen, mein Vater war eigentlich Hauptschullehrer (Musik, Deutsch und Technik), aber noch viel eigentlicher war er Gitarrist und das so durch und durch, dass mir die Gitarre wie eines seiner Körperteile vorkam: zwei Beine, zwei Arme, eine Gitarre. Immer lag eines seiner Instrumente über seinem linken Knie (nein, nicht das rechte, die Gitarre gehört aufs linke Bein!), vielleicht hätte ich auch gerne öfter drauf gesessen, aber mir blieb es, den beiden zuzuhören. Das tat ich sehr gerne. 

Meine Schwester am Klavier, frühe Bandversuche würde ich sagen.

Unsere Mutter hatte ein schönes Repertoire an Volksliedern, zu denen meine Schwester und ich leicht einschlafen konnten. Wenn wir mit dem Auto unterwegs waren, sangen wir immer alle Lieder, die wir konnten und denen wir gerade besonders zugetan waren. Wir hatten eine Langspielplatte von Frederik Vahle, die wir in- und auswendig konnten und mein Vater schreckte nicht davor zurück, uns Lieder beizubringen wie „auf dem Donnerbalken saßen zwei Gestalten und sie schrie nach Klopapier!“ ich glaube, für mein Alter konnte ich ziemlich viele Lieder auswendig: Volkslieder, Kinderlieder, sogar Arbeiterlieder, Beatles-Songs („aber bloß nicht Abba, das ist Mist“, was ich gar nicht fand, aber mein Vater ganz bestimmt), und was auch immer ich aufschnappte und mir zu eigen machte, weil ich das schön fand. 

Ich merkte mir die Songtexte, auch wenn ich sie nicht verstand (Jestedei, ollmytjubbels siem sofa ebei) und ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der ich Schwierigkeiten hatte, einen Ton zu treffen, ich war unbedarft und unbelastet und niemand versuchte, mein Singen zu unterbinden. In der Schule durfte ich singen, zu Hause durfte ich singen, in unserem Garten auf der Schaukel sitzend durfte ich singen. Und ich sang so gerne! 

Und zwar dermaßen gerne, dass ich das hauptsächlich tun wollte in meinem Leben.

Zunächst dachte ich über eine Karriere als Opernsängerin nach. Mit 12 kaufte ich mir eine Langspielplatte mit Auszügen aus der Zauberflöte und ich war beseelt von dem Wunsch, die Königin der Nacht zu singen. Vielleicht ein bisschen seltsam für eine zwölfjährige, aber ich wollte auch gleichzeitig noch Pilotin, Schauspielerin und Schlangenzüchterin werden, deswegen fiel dieser Wunsch nicht weiter auf. Tatsächlich meinte ich ihn aber ernst. 

 

Leider war das für meine Eltern nicht denkbar. 

Im wahrsten Sinne nicht denkbar, denn meine Eltern kamen aus Arbeiterfamilien und niemand wäre hier auf die Idee gekommen, Opernsängerin zu werden. Schmied vielleicht, oder Modistin, wenn man etwas Besonderes werden wollte. Die meisten Frauen meiner Familie mütterlicherseits waren Näherinnen. Mein Großvater väterlicherseits war Vertreter für Olympia-Schreibmaschinen. Meine beiden Eltern hatten sich da schon weit über die familiären Vorstellungen herausgewagt, sie hatten auf dem zweiten Bildungsweg studiert und beide gingen sie ins Lehramt. Nachdem sie zunächst etwas anderes gewesen waren, nämlich Näherin und Werkzeugmacher. Da es in den späten siebziger Jahren einen Lehrermangel gab, wurde Menschen ohne Abitur der Zugang zu einem Lehramtsstudium ermöglicht, so kamen meine beiden Eltern dazu, Lehrer zu werden.

Vor diesem Hintergrund konnten sie es sich nicht vorstellen, dass es möglich sein könnte, einen künstlerischen Lebensweg zu gehen. Vor allem für meinen Vater war dies ein schwieriger Gedanke, denn für ihn war es gar keine Frage gewesen, dass er seine Familie versorgen, und nicht zu einem Berufsgitarristen werden würde. Ich weiß nicht, ob er diese Möglichkeit überhaupt jemals in Betracht gezogen hat, vielleicht im Geheimen

Und so galt schon damals für mich, was auch für ihn selbst galt: Ich sollte einen Beruf lernen, der Versorgung versprach, denn die Zeiten waren nicht einfach, es waren die 1980er Jahre und die Arbeitslosenquote in Deutschland recht hoch.  

Dazu kam auch noch, dass so etwas wie klassischer Gesang ganz entschieden in die Sparte „Bourgeoisie“ eingeordnet wurde, neben Ballett, das mir auch nicht erlaubt wurde, weil es zu bürgerlich war und angeblich den Körper kaputt macht.

Menschen wie ich aus Familien wie meiner wurden nicht zu Opernsängerinnen.

Also wurde mir mein Traum ausgeredet. Mit folgenden Argumenten: 

„Es ist ein so hart umkämpfter Beruf, da gibt es dermaßen viel Konkurrenz, das schaffst du nicht.“ 

Das schaffst du nicht.

Denn du wirst nicht gut genug sein.

 

Du bist nicht gut genug.

 

 

Es bröckelt

Als Nächstes wäre ich gerne Whitney Houston geworden. Nicht „wie“ Whitney, ich wollte Whitney sein. Ich wollte „I wann dance with somebody“ singen in den schwarzen High Heels meiner Mutter (in denen ich tanzen konnte, du liebe Güte!). Ich hatte sogar ein echtes Mikro, das ich als Mikro verwendete, da musste keine Haarbürste her. Ich schloss mitten am Tag die Vorhänge meines Zimmers und dann war ich Whitney, dann war ich auch Liza Minelli in „Cabaret“, irgendwann Shirley Bassey. (Andere hörten  zu der Zeit Modern Talking, ich Freak!.) Ich wollte das alles so singen, so sein, ich war irgendwann Madonna, Kate Bush, Annie Lennox, all die Sängerinnen, die ich bewunderte und die ich SEIN wollte.

Mittlerweile war es wichtig für mich geworden, dass andere mich annahmen (was sie nicht so richtig taten). Ich pubertierte und wollte bedeutsam sein, denn ich fühlte mich wie das Gegenteil von bedeutsam. Ich wollte, dass andere mich wahr nahmen, dass sie lernten, mich zu bewundern, wenn schon nicht von selbst und nicht mich als Person, dann wenigstens meine Stimme und mein Talent.

Wie Whitney klingst du nicht

Ich wurde nicht bewundert. Ich wurde seltsam gefunden. 

Und ich klang weder wie Whitney, noch wie irgendjemand, die zu dieser Zeit berühmt und begehrt war. 

Mit 16

Ich sang damals in einer Schulband. Ebenfalls sang dort ein Mädchen aus meiner Parallelklasse. Sie sang extrem gut, sie sang sogar irgendwann mal bei Linda de Mol in einer Fernsehshow. Später sang sie beim Eurovision Song Contest. Damals wussten wir alle, dass sie außergewöhnlich gut war.

Ich mochte sie sehr, sie war ein sehr freundlicher und zugewandter, herzlicher Mensch und sie war auch diejenige, die darauf bestand, dass ich auch mal etwas singen sollte. Alle anderen wollten nämlich, dass ausschließlich sie sang. Ich flog dann aus der Band, weil alle (außer sie!) überzeugt waren, dass ich eifersüchtig auf sie sei. Tatsächlich war ich das gar nicht, ich wusste selbst, dass sie sehr viel besser sang als ich und ich bewunderte sie und betrachtete sie als meine Freundin. Dennoch flog ich aus der Band.

Denn ich war nicht so gut wie sie.

Dann verstummte ich

Dann nämlich war endlich und endgültig klar, dass ich dem Vergleich nicht würde stand halten können. Denn ich war diejenige, die nicht besser war als die anderen, die nicht mal halb so gut war, wie die anderen. Die nicht um ihre Stimme beneidet, deswegen bewundert wurde. Die Stimme, die nicht zu den schönen Liedern passte. Die nicht drum gebeten wurde zu singen. Ich sollte nicht gehört werden.

Ich verlernte meine Stimme zu mögen. Ich hatte mir früher eigentlich keine Gedanken darüber gemacht, ob ich meine Stimme mochte. Ich hatte sie. Das war meine Stimme, das war ich. Ich sang, denn das war mir irgendwie gegeben, ich wollte singen und es war das eine, das mir früher ganz umumständlich gelungen war. 

Aber ich kam damit nicht an und deswegen verstummte ich.

Schulband
Mit B. in der Schülerband, wenn Du genau hinsiehst, kannst Du ein Auge von mir sehen, ich stehe direkt hinter B.

Ich sang Jahre lang nicht, aber immer wieder startete ich Versuche. Aber ich klang einfach nicht, wie ich sollte. Mit 17 bekam ich schließlich das erste Mal Gesangsunterricht und ich durfte klassisch singen. Ich liebte es, aber ich war sehr schüchtern. Ich machte einige beschämende Erfahrungen und hörte wieder auf. Immer wieder gab es Momente, in denen ich nicht standhielt und ein bisschen zerbrach, denn ich sehnte mich so danach zu singen und damit angenommen zu werden. Jedes Mal wurden meine Versuche zaghafter und unsicherer, ich wurde immer leiser.

In der Rückschau finde ich es erstaunlich, wie oft ich mich in solche Situationen begab, in denen ich bewertet und abgelehnt wurde (oder mich einfach nur so fühlte) und jedes Mal war es absolut vernichtend für mich. Nie war meine Stimme, was sie sein sollte. Für die Oper zu lyrisch, fürs Musical zu lieblich, für Pop zu schwach, für Jazz… irgendwie nicht jazzig. Nicht Whitney, nicht Liza, nicht Shirley, nicht Christina, nicht Tracy. Nicht Kate Bush, nicht Amy Winehouse, Adele, Zaz. Nicht Billie Eilish. Noch immer nur ich.

Und dann?

Jetzt ist es anders

Es waren die frühen 2000er und ich hatte die Gelegenheit bekommen in einer Band zu singen. Und ich durfte dabei schüchtern sein. Es war klar, dass ich keinen Ansprüchen genügen musste. Wir wollten nicht hoch hinaus, wir wollten einfach Musik machen. Es war eine Freizeitbeschäftigung und ich hatte Spaß und wurde nicht bewertet. 

Vielleicht kann ich zusammenfassen, dass die Atmosphäre in dieser Band einfach „stimmig“ war für mich. Meine Stimme musste nichts. Meine Stimme durfte. Und dann traute ich mich immer mehr. Noch nichts Wildes, keine Auftritte oder irgendwelche aufwändigen Projekte. 

Aber ich traute mich, mich mit meinem Singen zu bewerben, um zunächst Musik auf Lehramt zu studieren.

Als ich mit meinem Studium anfing, war ich bereits 30. Zuvor war ich etwas sehr Vernünftiges geworden, nämlich Augenoptikerin. Völlig absurde Berufswahl für mich, aber es war eine Möglichkeit „etwas zu werden“, denn ich war bereits 24 und „war noch nichts“ Denn aus lauter Angst, etwas werden zu müssen, das ich nicht sein wollte, wurde ich erst einmal „nichts“. Man kann sich vorstellen, dass das für meinen Vater ein denkbarer Horror war, dass seine Tochter „nichts“ war, also auch nicht abgesichert.

Meine Ausbildung ermöglichte es mir, das Abitur nachzuholen, damit ich studieren und Lehrerin werden konnte (interessant, wie ansteckend die Lebensläufe der Eltern sein können…). Ich finde es im Nachhinein fast süß, dass ich damals wirklich dachte, ich könnte nur noch Lehrerin werden, jetzt, wo ich doch schon so alt, nämlich dreißig war.

Das war natürlich eine schlechte Idee, ich hatte den festen Glauben, dass das, was ich eigentlich wollte, nämlich eine Sängerin zu werden, für mich nicht möglich war und so dachte ich, Lehrerin zu werden sei zumindest (wieder einmal) etwas Vernünftiges. Alle, die diesen Beruf ausführen wissen, dass das einer der anstrengendsten Berufe überhaupt ist! Es ist sehr ratsam, nur Lehrerin zu werden, wenn man das wirklich möchte! Ich jedenfalls wollte es eigentlich nicht und dachte dennoch, ich würde Lehrerin für Musik, Kunst und Geschichte werden.

 

Spoiler: Ich wurde es nicht.

Aber ich wurde mutiger und selbstbewusster. Ich bekam größtenteils gutes Feedback zu meinem Singen. Immer blieb ich schüchtern, aber es gelang mir immer besser, mich zu trauen und auch sogar vorzusingen. Ich kam immer mehr in meiner Stimme an und söhnte mich schließlich aus damit, „nur“ zu klingen wie ich.

Und während meines Studiums entdeckte ich etwas: Ich konnte motivieren und ermutigen.

Alle in meinem Studiengang mussten in der Abschlussprüfung wenigstens ein Volkslied vorsingen, da kam niemand dran vorbei. Und viele hatten Angst davor. Ich merkte, dass es schön für mich war, wenn ich andere unterstützen und ihnen helfen konnte, mit ihrer Angst umzugehen. Ganz sicher war das eine der wichtigsten Entdeckungen in meinem Leben!

Ich spielte und sang noch in weiteren Bands und das wurde insgesamt zu jeweils sehr positiven Erfahrungen. Ich war einige Zeit Teil des Kozma Orkestars bis ich im Oktober 2010 nach Berlin zog. Wir waren Studienkolleg:innen und es wurde eine immer schönere und größere Sache, die Bandgründerin Ramona Kozma und einige andere der Stammbesetzung sind noch immer dabei (siehe Video).

Ich denke sehr gerne daran zurück!

 

Unten siehst du ein aktuelles Video vom Kozma Orkestar. Ich weiß nicht mehr, das wievielte Jubiläum sie jetzt feiern, ich freue mich jedenfalls, dass es sie immer noch gibt!

Falls Du mal die Gelegenheit hast, sie live zu sehen, gehe unbedingt hin!

 

Ich bin ganz links, die mit der Quetschkommode.

Aus lauter Sehnsucht nach dieser Musik gründete ich in Berlin mit den damaligen Arbeitskolleg:innen eine ähnliche Band, das Ganovim Orkestar, wir spielten zusammen, bis ich meinen Job in der Arbeitsgruppe beendete. Danach lösten wir uns auf. Auch das war eine wertvolle und positive Erfahrung, mein Gesang war willkommen und das war schön! Leider gibt es keine Aufnahme von uns, geblieben ist nur das Foto.

 

Ich bin noch zunächst noch einige Kurven gegangen in meinem Lebenslauf, habe einiges ausprobiert, vom Versuch in die wissenschaftliche Richtung zu gehen bis zu einem Jahr als Kellnerin in einem Teesalon in Berlin Schöneberg, aber gelandet bin ich immer wieder bei der Musik und beim Gesang und mittlerweile beschäftige ich mich beruflich mit Menschen, die aus verschiedensten Gründen Angst haben zu singen und sich mit ihrer Stimme wieder befreunden möchten. Die meisten haben schlechte und beschämende Erfahrungen gemacht. 

Mein Schwerpunkt liegt darin, anderen den Zugang zum Singen zu erleichtern, ihnen zu helfen, über das hinweg zu lernen, was sie bisher über ihre Stimme dachten und neue Erfahrungen über die alten zu legen. 

Mittlerweile bin ich eine Sängerin geworden, eine Chorleiterin, eine Gesangslehrerin, eine Beraterin gegen Singängste.

Ich bin ein Fan davon, mein Wissen und meine Erfahrungen zu erweitern, habe mittlerweile den 1,5-jährigen Fortbildungslehrgang im Lichtenberger® Institut für angewandte Stimmphysiologie abgeschlossen und befinde mich in der Ausbildung zur Stimmtherapeutin.

Zu singen ist so sehr viel mehr, als einfach Töne zu produzieren und es ist wichtig für uns Menschen, klingende Wesen zu sein. Es ist ein Teil unserer angeborenen Kommunikationsmöglichkeiten, eine natürliche Variante des Sprechens, die allen zugänglich ist, deren Stimmapparat okay ist. Es ist mir ein Bedürfnis, anderen dabei zu helfen, die Ängste zu überwinden, die sie daran hindern, davon Gebrauch zu machen. Ich bin mittlerweile der Meinung, dass wir alle ein Recht darauf haben, uns singend auszudrücken und dass es ziemlich traurig ist, wenn wir beigebracht bekommen, es nicht zu dürfen und zu singen wäre nur einigen wenigen Auserwählten vorenthalten.

Mein eigenes Verhältnis zu meiner Singstimme ist heute freundlich und freundschaftlich.

Ich möchte nach wie vor am liebsten so klingen wie all diese wunderbaren Sängerinnen auf der Welt zusammen und nach wie vor klinge ich einfach nur wie ich. Aber mittlerweile ist es zu einem Kompliment an diese Sängerinnen geworden und ist keine Anklage mehr gegen mich und meine Stimme.

Vielleicht gehört so eine „Befreundung“ insgesamt zu einem Reifeprozess, vielleicht habe ich aber auch irgendwann einfach akzeptiert, dass das, was da klingt, einfach ich bin, ich kann das nicht auswechseln, andere Stimmbänder kaufen, meine Anatomie verändern, nicht zu jemand anderem werden. Ich bin so gebaut, meine Stimme ist die Summe meiner Bauteile, das ist nicht veränderbar. Ich kann meine Stimme schulen, trainieren, bestimmte Techniken erlernen (wahrscheinlich sogar Popgesang). 

Nina mit Akkordeon

Was ich vor allen Dingen kann, ist immer mehr herauszufinden, was meine Stimme alles kann, was zu lernen sie imstande ist.

Ich kann aufhören darüber zu trauern, was meine Stimme alles nicht ist. Ich kann ihr Raum geben, sich auszuprobieren, sich durch die ganzen Erwartungen zu schlängeln. Ich kann lernen zu genießen, was da passiert, wenn ich singe, welche Gefühle es in mir auslöst, wenn ich alleine singe, wenn ich mit anderen Menschen zusammen singe. Ich kann die Gelegenheit genießen, zu der ich singe, die Reaktionen meines Körpers, die Resonanzen in meinem Kopf.

Und ich stelle fest, dass meine Stimme schön klingt, wenn ich sie einfach in dem annehme, was sie ist. Je lieber ich sie habe, desto schöner schwingt sie.

Mein Ziel ist nicht mehr, zu klingen wie jemand anderes, sondern immer mehr wie ich. Ich richte meinen Fokus mittlerweile mehr auf das aus, was das Singen in mir auslöst. Es gibt Momente, in denen ich singe und ganz rührselig davon werde und selbst davon weinen muss, weil ich so viel dabei empfinde. Das sind die allerbesten Momente!

Vielleicht fällt es Dir auf, dass ich nicht mehr darüber spreche, wie meine Stimme heute bewertet wird. Das liegt daran, dass ich sie nicht mehr bewerten lasse, dass ich alles zusammennehme, was ich an Abgrenzung aufbringen kann, um mich und meine Stimme vor Bewertungen zu schützen. 

Meine Aufmerksamkeit liegt auf dem, was es für mich bedeutet, wenn ich singe. Wie sehr es mich selbst erfreut zu klingen und die Resonanzen zu spüren in meinem Körper, in meinem Kopf. Es geschieht etwas Gutes in mir, wenn ich singe. Und es passiert etwas Gutes, wenn ich mit anderen zusammen singe. 

Ich bekomme nach wie vor etwas gesagt über meine Stimme und es ist meistens erfreulich. Und wenn ich etwas Erfreuliches gesagt bekomme, dann freue ich mich auch, und zwar so richtig! Denn ich habe auch mittlerweile verstanden, dass die meisten solcher Aussagen nicht allein mit mir zu tun haben, denn wenn mir jemand sagt, dass sie oder ihn meine Stimme und mein Singen berührt hat, dann teilt mir diese Person etwas über sich selbst mit. Und das ist schön!

 

Schön, dass Du da bist!

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